Wenn man einen Webshop über (viele) Jahre betreibt, ändern sich immer wieder URLs. Ganz besonders, wenn alte Produkte durch vergleichbare neue ersetzt werden oder wenn ganze Kategoriebäume umstrukturiert werden. Und der Super-GAU ist natürlich ein Wechsel der Shop-Software, bei dem sich ein großer Teil der URLs ändern kann.
Die SEO-Standardlösung für sämtliche URL-Änderungen ist die 301-Weiterleitung von der alten zur neuen URL. Eine 301-Weiterleitung signalisiert dauerhaft, dass eine Adresse umgezogen ist – Suchmaschinen übertragen das Ranking dann auf die neue URL. Ich möchte hier am Beispiel PlentyShop LTS und WordPress zeigen, wie unterschiedlich 301-Weiterleitungen gehandhabt werden können. Einmal recht praktisch mit GUI, einmal eher kryptisch und mit Zusatzkosten.
Weiterleitungen im PlentyShop LTS
Im PlentyShop LTS, Stand Mai 2026, muss man 301-Weiterleitungen zu 100 % manuell in einer Textdatei anlegen. Zum passenden Menü kommt man, wenn man unter „Einrichtung“ nach „Domains“ sucht und weiter zu den Weiterleitungen klickt:

Bei Eventlights.shop gab es durch diverse Umstellungen in 20 Jahren natürlich zahlreiche Weiterleitungen zu verwalten. Ich habe dazu lokal eine Textdatei genutzt, um die Weiterleitungen zu bearbeiten – die fertige Datei habe ich dann ins oben gezeigte Eingabefeld bei Plenty kopiert.
Die Syntax ist anfangs ein wenig abschreckend, aber man gewöhnt sich daran. Einfach den Code als Vorlage nutzen:
^*;;301;L
Nach dem ^ (also im linken Teil vor dem ersten Semikolon) trägt man die alte URL ein, beginnend mit /. Man kann einen kürzeren (aber noch eindeutigen) Teil nehmen, da die abschließende Wildcard * auch alle folgenden Zeichen umfasst.
Zwischen die beiden Semikolons ;; kann man nun die neue URL eintragen (beginnend mit https, wenn man möchte).
Wenn zum Beispiel die bisher verkaufte neon-rote Wandfarbe durch eine neue neon-pinke Wandfarbe ersetzt wird, kann man die URL so weiterleiten:
^/neon-uv-wandfarbe-500-ml-rot/a-1658*;https://www.eventlights.shop/uv-aktive-neon-wandfarbe-500-ml-pink/a-1896;301;L
Ich zeige hier nur die von mir oft genutzte Syntax. Für weitere Infos bitte die Anleitung von Plenty beachten. Weiters sollte man die Kosten im Blick behalten: Stand Mai 2026 wurde bei meinem Plenty-Vertrag 1 Cent pro Weiterleitung und Monat verrechnet, bei 400 Weiterleitungen also 4 Euro im Monat.
Weiterleitungen in WordPress/WooCommerce mit RankMath
In meinen WordPress Installationen nutze ich das RankMath-SEO-Plugin, um Weiterleitungen zu verwalten. Eine enorme Hilfe ist dabei der 404-Monitor, den es so bei einem PlentyShop LTS nicht gibt. Er zeigt alle Zugriffe auf nicht vorhandene Seiten (404-Fehler) im Shop an und zeigt so oft erst, welche Seiten man weiterleiten muss:

Den 404-Monitor muss man dabei nicht nur passiv beobachten. Nach der Umstellung auf WordPress habe ich alle alten URLs, die ich finden konnte, einmal aktiv aufgerufen – die alte Sitemap aus dem PlentyShop und die URL-Listen aus der Google Search Console waren dafür die wichtigsten Quellen. Mit einem kleinen Script habe ich diese Adressen der Reihe nach abgerufen und danach im 404-Monitor geprüft, welche davon noch ins Leere liefen. So habe ich die fehlenden Weiterleitungen gezielt ergänzt und konnte die bisher genutzten URLs am Ende zu nahezu 100 % korrekt weiterleiten.
Bei der RankMath-Weiterleitungsverwaltung steht eine GUI zur Verfügung. Ein wesentlicher Vorteil besteht darin, dass man mehrere Source-URLs für jede Ziel-URL angeben kann. So kann man etwa mehrere früher verwendete URLs für „Neon Becher“ mit nur einem Weiterleitungseintrag zu einer gemeinsamen Zielseite weiterleiten.

Für jede Source-URL kann man eine passende Matching-Option wählen, beispielsweise „Starts with“ (vergleichbar mit der Wildcard * am Ende der Source-URL im PlentyShop-Code) oder „Exact“ (dafür muss man bei PlentyShop ein $ anstelle des * verwenden).
Es gibt aber noch weitere praktische Optionen wie „Contains“. Damit kann man zum Beispiel alle URLs matchen, die eine eindeutige PlentyShop-Artikelnummer wie /a-841 enthalten (egal welche URLs für dieses Produkt in der Vergangenheit verwendet wurden). Für Spezialfälle (und Profis) gibt es auch die Möglichkeit, Regex zu verwenden.
Der Vollständigkeit halber möchte ich erwähnen, dass die Weiterleitungsverwaltung mit einem Plugin wie RankMath nicht alle Spezialanforderungen bei Weiterleitungen abdecken kann. In manchen Fällen muss man Weiterleitungsregeln direkt in die Konfiguration des Webservers schreiben.
Bei Eventlights war das z. B. notwendig, da früher fehlerhafte Tracking-Parameter in der URL verwendet wurden: Statt mit einem ? wurde der erste Parameter teilweise mit einem & vom Pfad getrennt – und dieses Problem kann man nicht mehr mit RankMath lösen, sondern man muss diese fehlerhaften Parameter direkt über die Webserver-Konfiguration abtrennen.
Häufige Fehler bei Weiterleitungen
Egal, ob man Weiterleitungen in einer Textdatei wie bei PlentyShop anlegt oder in einem GUI-Plugin wie RankMath: Man muss immer darauf achten, diese Fehler zu vermeiden.
Weiterleitungsschleifen
Eine solche Schleife entsteht, wenn die Source-URL bereits die eigene Ziel-URL mit erfasst.
Beispiel: /neon-uv-becher* wird auf die neue Zielseite /neon-uv-becher-250ml-pink/ weitergeleitet.
Wenn man nun die neue Seite /neon-uv-becher-250ml-pink/ verlinkt, kann der Link nicht funktionieren: Die Weiterleitung /neon-uv-becher* greift auch für die Zielseite und würde sie endlos neu laden. Browser brechen das mit einem Fehler ab, und SEO-Tools wie Seobility erkennen solche Fehler in der Regel.
Ungewollte Weiterleitungen
Ungewollte Weiterleitungen sind ein ähnliches Problem, aber man findet sie nicht immer so einfach, da kein Browser-Fehler entsteht, sondern Besucher einfach auf einer falschen Seite landen.
Beispiel: Man möchte die Produktkategorie /neon-uv-wolle/ schließen und mit allen Unterseiten zu einer ähnlichen Kategorie /neon-uv-tuell/ weiterleiten. Man richtet nun die nicht optimale Source-URL /neon-uv-wolle* in der Weiterleitungsregel ein.
Man hat dabei nicht bedacht, dass es noch ein Produkt mit der URL /neon-uv-wolle-10-stueck-set/a-210/ gibt, das gerade in der Sale-Kategorie abverkauft wird. Die Weiterleitungsregel greift nun auch für diese Produktseite. Sie ist somit nicht mehr im Shop erreichbar, da Besucher zur Tüll-Seite weitergeleitet werden.
In einem SEO-Tool wie Seobility kann man diese Probleme finden, wenn man weiß, worauf man achten muss: Sie werden als „Interne Weiterleitungen“ aufgelistet, also Links zu einer Seite, die sofort weitergeleitet wird.

Weiterleitungsketten
Ein dritter Fehler fällt oft erst nach mehreren Umstellungen über die Jahre auf: die Weiterleitungskette. Sie entsteht, wenn eine alte URL auf eine zweite weitergeleitet wird, die selbst schon wieder auf eine dritte zeigt (A → B → C).
Solche Ketten funktionieren zwar im Browser, kosten aber Ladezeit und übertragen den SEO-Wert weniger zuverlässig als eine direkte Weiterleitung. Besser ist es, jede alte URL gleich auf die aktuelle finale Zielseite zu leiten. Gerade bei einem Systemwechsel lohnt es sich, die bestehenden Weiterleitungen einmal durchzusehen und Zwischenstationen zu entfernen.
Fazit
301-Weiterleitungen sind unverzichtbar beim langjährigen Betrieb eines Webshops und ganz besonders bei einem Systemwechsel. Ein 404-Monitor und eine komfortable GUI sind sehr hilfreich, um sie zu verwalten. Achte bei der Wahl eines Webshop-Systems darauf, dass die Verwaltung von 404-Fehlern und 301-Weiterleitungen bequem möglich ist.
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