Mein Webshop Eventlights.shop läuft seit 2005, viele Jahre davon auf den Webshop-Systemen vom Plentymarkets-ERP (zuletzt PlentyShop LTS, früher Ceres und Callisto). Anfang 2026 bin ich zu einem selbst gehosteten WooCommerce-Shop gewechselt.
In diesem Artikel beschreibe ich den Anlass für die Migration, die strategische Neuausrichtung des Projekts und die Grundzüge der technischen Umsetzung.
Der Anlass für den Wechsel
Der bisher genutzte PlentyShop LTS wird seit Jahren nur noch gewartet – die Weiterentwicklung findet beim Nachfolger statt, dem PWA-basierten neuen PlentyShop. Damit sind größere neue Features beim PlentyShop LTS kaum mehr zu erwarten, und Themen wie ein eigener Blog, umfangreiche Info-Seiten oder das Hosting von Videos lassen sich nur umständlich umsetzen.
Genau das wurde für Eventlights über die Zeit zum Problem. In 20 Jahren ist viel Content entstanden, der über reine Produktbeschreibungen hinausgeht: Anleitungen, Hintergrundwissen zu Schwarzlicht und Neon, Fotos und Videos. In einem klassischen Shop-System hat das nicht immer Platz – Inhalte hängen hier an Produkten und Produkt-Kategorien, und das Layout ist meist recht starr.
Ein Shop-Wechsel war also notwendig. In der engeren Wahl waren die beiden weit verbreiteten Shopsysteme Shopify und WooCommerce – beide mit großem Plugin-Ökosystem und geringen Fixkosten beim Einstieg.
Die Entscheidung fiel auf WordPress mit WooCommerce. WordPress ist das weltweit meistgenutzte Content-Management-System, Open Source und selbst hostbar. Damit gibt es keine Abhängigkeit von einem SaaS-Anbieter, der wie Shopify auch bei der Zahlungsabwicklung mitverdient.
Die strategische Entscheidung: Content-Bereich neben dem Shop
Statt einfach das Shop-System zu wechseln, habe ich die Migration als Anlass genommen, die Ausrichtung des ganzen Projekts neu zu denken. Das Ergebnis: Der Shop läuft mit WooCommerce, daneben gibt es einen ausgebauten Content-Bereich, der klassisch mit WordPress verwaltet wird – Ratgeber-Seiten, ein Blog und eine Produktgalerie ergänzen den Shop.
Hintergrund ist, dass 20 Jahre Geschichte und Content langfristig erhalten bleiben sollen. Auf der neuen Seite haben Shop und redaktionelle Inhalte gleichermaßen Platz, und genau diese Aufteilung hat die Architektur der neuen Seite geprägt.
Konkret gibt es jetzt vier Content-Ebenen:
Umfangreiche Content-Seiten mit Texten, Bildern, Videos und Produkten. Diese sind bequem zu erstellen – etwas, das mir beim PlentyShop gefehlt hat. Über ein Widget lassen sich ausgewählte Produkte aus dem WooCommerce-Shop direkt in die Inhalte einbauen, sodass passende Artikel im Kontext mitlaufen. Ein Beispiel ist die Schwarzlicht-Übersichtsseite, die als Einstieg in das Thema dient und keine klassische Produkt-Kategorie ist, sondern eine redaktionelle Seite mit Erklärungen, Anwendungsbeispielen und ergänzenden Produktempfehlungen.
Eine Produktgalerie als Archiv mit über 100 früher verkauften Produkten, inklusive Bilder und Videos. Sie wurde mit dem ACF-Plugin umgesetzt und sieht oberflächlich wie ein Shop aus, ist aber keiner – es handelt sich um eine durchsuchbare Galerie ohne Bestellfunktion. Damit bleibt die Produkthistorie erhalten, ohne dass alte Produkte den aktiven Shop überladen.
Ein Blog-Bereich, in dem flexibel Artikel zu Themen veröffentlicht werden können, für die es keine fixe Content-Seite gibt.
Der WooCommerce-Shop als eigentlicher Verkaufsbereich mit Kategorien und Produktseiten. Die Kategoriestruktur kann dabei schlank bleiben, weil sie nicht zusätzlich als SEO-Werkzeug dienen muss. In klassischen Shop-Systemen ist es üblich, Produkte in mehrere Kategorien einzusortieren und die Kategoriestruktur künstlich aufzublähen – nur damit für jedes wichtige Suchwort eine eigene Zielseite mit passender URL und Überschrift entsteht. Diese Aufgabe übernehmen hier die Content-Seiten.
Was bei WooCommerce über Plugins ergänzt werden muss
Beim Shop-Bereich selbst sind die Unterschiede zu PlentyONE spürbar. PlentyONE (früher Plentymarkets) ist ein All-in-One E-Commerce ERP, das Bestandsverwaltung, Rechnungserstellung, Auftragsabwicklung und komplexe Preislogiken im selben System integriert. Der PlentyShop greift direkt auf diese ERP-Funktionen zu. Da die PlentyONE GmbH aus Deutschland kommt, sind auch landesspezifische Vorgaben wie die Grundpreisangabe ab Werk vorhanden.
WordPress mit WooCommerce ist ein international ausgerichtetes Open-Source-Projekt, das Funktionen über ein Plugin-Ökosystem ergänzt. Wer im deutschsprachigen Raum verkauft, benötigt ein Plugin wie Germanized, um rechtliche Anforderungen wie Grundpreise, Lieferzeiten oder die Buttonlösung abzudecken.
Klassische ERP-Funktionen wie Rechnungserstellung, Versandlabel-Druck oder Versandadressen-Export für den Paketdienst sind allerdings nicht von Haus aus im WooCommerce Shop enthalten und müssen mit Plugins nachgerüstet werden. Vieles ist gratis möglich. Wer aber beispielsweise mit Germanized seine Rechnungen erstellen will, sollte etwa 6 Euro netto pro Monat für eine Pro-Lizenz einplanen.
Die Stärken und Schwächen liegen also auf unterschiedlichen Seiten: PlentyONE bringt ERP- und Shop-Funktionen aus einer Hand mit, WordPress mit WooCommerce eröffnet beim Content deutlich mehr Spielraum. Welche Plugins ich konkret einsetze, beschreibe ich in einem eigenen Artikel.
Hosting und technische Umsetzung
Der Shop läuft auf einem Hetzner-Cloud-Server mit Ubuntu Linux 24.04 als Betriebssystem. Hetzner ist ein deutscher Hoster, der unter anderem virtuelle Cloud-Server günstig anbietet. Die Leistung eines virtuellen Servers kann bei Bedarf erhöht werden.
Auf diesem Server wurde WordPress mit WooCommerce installiert, dazu die nötigen Plugins für Shop-Funktionen, rechtliche Anforderungen, SEO und Content-Bearbeitung. Anschließend wurden die Inhalte aus dem alten PlentyShop migriert und die wichtigsten URLs sauber umgeleitet, damit Suchmaschinen Links und Lesezeichen weiter funktionieren.
Die Performance-Optimierung kam erst nach dem Produktivstart. Mit einem Caching-Plugin und einer angepassten PHP-Konfiguration läuft die Seite auch auf einem kleinen Server zügig. Wie das im Detail aussieht und welche Werte ich auf dem Server messe, beschreibe ich in einem separaten Artikel zum Thema WordPress-Performance.
Fazit
Die Migration vom PlentyShop LTS zu WordPress mit WooCommerce war Anlass, das Projekt insgesamt neu auszurichten. Beide Bereiche – Shop und Content – haben auf der neuen Seite jeweils ihre eigene Struktur bekommen, mit den Plugins und Werkzeugen, die dazu passen.
Wer eine ähnliche Migration plant, hat einige Entscheidungen vor sich: Welche Plugins werden gebraucht, wie wird der Server gehostet, wie sieht die Übersiedlung der Inhalte und URLs aus. Ich werde in weiteren Artikeln auf diese Themen eingehen.
Planst du selbst einen Wechsel des Shopsystems oder möchtest du deine bestehende Shop-Struktur überprüfen? Ich unterstütze Unternehmen bei WooCommerce, E-Commerce-Prozessen und Content-Strukturen – mit Erfahrung aus über 20 Jahren eigenem Onlinehandel.