Österreichische Online-Händler müssen sich bereits früh mit Lösungen für den grenzüberschreitenden Versand beschäftigen. Der Inlandsmarkt ist vergleichsweise klein, weshalb Bestellungen häufig aus dem Ausland kommen. Auch die Lieferanten sitzen oft in anderen (EU-)Ländern.
Typische Situationen sind dabei:
- Kunden kommen oft aus Deutschland, vor allem bei deutschsprachigen Shops.
- Es gibt früh Nachfrage aus anderen EU-Ländern und aus Nicht-EU-Ländern wie der Schweiz.
- Die Lieferanten sitzen oft in Deutschland oder in anderen EU-Ländern.
Dadurch ergeben sich verschiedene Herausforderungen:
- Konkurrenten sitzen in Deutschland und haben dort bessere Versandkonditionen für den Inlandsversand.
- Es müssen komplexe Umsatzsteuerregeln beachtet werden, sobald Waren Ländergrenzen überschreiten.
- Compliance-Anforderungen müssen in mehreren Ländern erfüllt werden.
Eine pauschale Lösung gibt es hier nicht. Je nach Lieferantenstruktur, Absatzmärkten und Versandvolumen ergeben sich unterschiedliche logistische Anforderungen. Der Artikel stellt verschiedene praxisnahe Ansätze vor.
Wie kommt die Ware zu mir nach Österreich?
Lieferanten aus anderen EU-Ländern bieten nicht immer optimale Versandkonditionen für österreichische Händler. Deutsche Firmen sind durch den großen Inlandsmarkt verwöhnt: Sie liefern zwar günstig innerhalb Deutschlands, aber oft nur mit hohen Versandkosten nach Österreich. Einige deutsche Firmen liefern leider überhaupt nicht nach Österreich, da sie beispielsweise die zusätzlichen Compliance-Anforderungen (etwa im Verpackungsbereich) scheuen.
In diesen Fällen kann man als österreichischer Einkäufer aktiv werden und den Transport (DE->AT) selbst organisieren.
Paketversand
Als österreichischer Händler kann man bei Anbietern wie Packlink recht einfach ein Paket in Deutschland abholen und nach Österreich liefern lassen. Dazu vereinbart man mit dem Lieferanten, dass das Paket mit DPD selbst abgeholt wird. Über Packlink erstellt man ein Versandlabel, schickt es dem Lieferanten und dieser klebt das Label auf und stellt das Paket bereit.
Das ist besonders dann vorteilhaft, wenn der Lieferant innerhalb Deutschlands mit DHL versendet und hohe Versandkosten für Sendungen ins Ausland hat. Ein schweres DHL-Paket (20+ kg, DE->AT) kann bei ungünstigen DHL-Tarifen 45 EUR und mehr kosten. Bei Packlink zahlt man für ein DPD-Paket eher im Bereich 10–20 EUR.
Bei häufigen DE-AT-Lieferungen (etwa beim Dropshipping) kann man auch einen „richtigen“ Paketvertrag mit Abholung in Deutschland abschließen und oft bessere Konditionen erhalten als deutsche Firmen, die sich stiefmütterlich um den Auslandsversand kümmern.
Palettenversand
Auch wenn man eine oder mehrere Paletten aus anderen EU-Ländern importieren möchte, kann man seine eigene Logistiklösung zusammenstellen: Einfach bei mehreren österreichischen Speditionen anfragen, z. B. „Ich benötige Versandkonditionen für 1/2/3 EUR-Paletten von Frankfurt nach Linz“. Bei einzelnen Transporten erhält man Tagespreise, bei regelmäßigen Transporten sind auch fix kalkulierte Konditionen möglich.
Diese Preise vergleicht man nun mit den Preisen des Lieferanten. Wenn die eigenen Preise günstiger sind, kann man die Paletten einfach durch die eigene Spedition abholen lassen.
Wenn man häufig Ware ins eigene Lager nach Österreich transportieren lässt, gibt es einen weiteren Vorteil, wenn man die Transporte selbst in Auftrag gibt. Man hat einen festen Ansprechpartner bei „seiner“ Spedition und kann die Transporte oft besser verfolgen. Das ist insbesondere sinnvoll, wenn man beispielsweise Ware aus Fernost importiert. Die eigene Spedition übernimmt dann die Ware direkt vom Lieferanten und organisiert die gesamte Logistik. Der Ansprechpartner im eigenen Land gibt dabei eine gewisse Sicherheit.
Paketweiterleitung
In manchen Fällen ist es auch sinnvoll, wenn man dem Lieferanten eine Anschrift in Deutschland nennen kann. Das wird von verschiedenen Grenz-Paketservices angeboten und sogar von Paketdiensten wie der Österreichischen Post.
Wichtig beim Einkauf von Handelsware: Die Rechnung des Lieferanten sollte korrekt ohne USt. ausgestellt werden, da es sich auch bei einer Paketweiterleitung in der Regel um eine umsatzsteuerfreie „innergemeinschaftliche Lieferung“ handelt.
Eine Weiterleitungsadresse ist auch für den Retourenversand sinnvoll: Der Anbieter der deutschen Adresse kann Retourenpakete von deutschen Kunden bündeln und sie gesammelt an den österreichischen Händler senden.
Wie kann man günstig zu deutschen Kunden versenden?
Es gibt mehrere Logistiklösungen, die von österreichischen Online-Händlern genutzt werden können.
Direktversand von Österreich zum Kunden
Das ist der typische Startpunkt für österreichische Online-Händler. Wichtig ist, dass man sehr gute Deutschland-Tarife von seinem Paketdienstleister erhält (Richtwert: nur etwa 2–3 EUR mehr als die entsprechenden Inlandstarife).
Eine gute Alternative zum Direktvertrag mit Paketdiensten wie DPD oder GLS ist der Vertrag über einen Wiederverkäufer. Denn Wiederverkäufer bekommen oft wesentlich bessere Konditionen als kleine Direktkunden.
Versand über einen Logistik-Dienstleister in Deutschland
Dazu benötigt man (Stand 2026) eine Steuerregistrierung und eine UID-Nummer im Lagerland (Deutschland) und muss Umsatzsteuer von national (innerhalb Deutschlands) versendeten Paketen in Deutschland abführen. Diese Variante eignet sich daher erst, wenn man mindestens mehrere hundert Pakete im Monat in Deutschland versenden möchte.
Bei der Wahl des Logistikdienstleisters muss darauf geachtet werden, dass Versandaufträge automatisiert über eine Schnittstelle vom eigenen Webshop-/ERP-System zum Logistiker übermittelt werden können. Eine vorhandene Schnittstelle ist dabei wesentlich günstiger als eine extra zu programmierende.
Einlieferung von Paketen bei einem deutschen Paketdienst
Für Firmen in der Nähe der deutschen Grenze besteht die Möglichkeit, Pakete direkt bei einem deutschen Paketdienstleister (z. B. DHL) einzuliefern. Dadurch können sie ihre Sendungen zu Inlandskonditionen in Deutschland versenden. Je weiter man von der deutschen Grenze entfernt ist, desto unpraktischer und teurer wird das, da man an jedem Versandtag einen Transport vom eigenen Lager zum Depot des Paketdienstes organisieren muss.
Paketweiterleitung über eine deutsche Logistikfirma
Man kann ein Sammelpaket mit beispielsweise zehn Kundenpaketen an einen Anbieter in Deutschland (oder an der österreichischen Grenze) senden. Dieser gibt die Einzelpakete dann in Deutschland an einen Paketdienst weiter. Nachteil: Der Versand dauert ein bis zwei Tage länger. Eine Ersparnis ergibt sich nur in bestimmten Fällen (wenn viele leichte Pakete gemeinsam versendet werden können).
Logistik komplett in Deutschland
Wenn sich sowohl Lieferanten als auch Kunden überwiegend in Deutschland befinden, gibt es für österreichische Händler eine elegante Lösung: Sie können die Logistik über einen deutschen Standort abwickeln. Somit können Lieferanten innerhalb Deutschlands günstig versenden und Kunden werden dort günstig und vor allem schnell beliefert.
Voraussetzung ist, wie oben beschrieben, die umsatzsteuerliche Registrierung in Deutschland. Dies betrifft allerdings nur die Umsatzsteuer. Wenn man auf externe Logistikdienstleister setzt, entsteht dadurch keine „Niederlassung“, die zu weiteren Steuerpflichten führen würde.
Wenn die eigene Software (Warenwirtschaft/ERP-System) dies unterstützt, können auch Standorte in mehreren Ländern verwendet werden (z. B. ein eigenes Lager in Österreich und ein externes Lager in Deutschland). Dann können Lieferungen optimal auf die Lager verteilt werden (z. B. können große B2B-Lieferungen vom eigenen Lager versendet und kleine B2C-Aufträge über das deutsche Lager abgewickelt werden).
Fazit
Die beschriebenen Logistiklösungen zeigen, wie vielfältig die Möglichkeiten für österreichische Online-Händler sind, mit grenzüberschreitendem Versand umzugehen. In der Praxis werden diese Ansätze oft kombiniert und im Laufe der Zeit weiterentwickelt.
Welche Variante sinnvoll ist, hängt nicht nur von der Unternehmensgröße, sondern auch von den internen Prozessen, der vorhandenen Software, den Lieferantenstrukturen und den Erwartungen der Kunden ab.
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